Guantanamo Bay. Amerikas Krieg gegen die Menschenrechte
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Unrecht mit System
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Rezension bezieht sich auf: Guantanamo Bay. Amerikas Krieg gegen die Menschenrechte (Taschenbuch) "Überall, wo sie vorkommt, tritt Folter die Menschenwürde mit Füßen. Wir wollen eine Welt errichten, in der Menschenrechte respektiert und durch das Gesetz geschützt werden .... Die USA bekennen sich zur Abschaffung der Folter weltweit und wir führen diesen Kampf durch unser Beispiel an."
So sprach George W. Bush am 26. Juni 2003.

Das Buch von David Rose entlarvt seine Sonntagsrede als reinen Zynismus.
Guantanamo wurde 1903 nach dem spanisch - amerikanischen Krieg beschlagnahmt und in unbefristete Pacht genommen. Die US Rechtsberater des Präsidenten meinen, dass hier kein Gericht der Welt zuständig ist, und so können die Amerikaner alles mit den Gefangenen machen.

„Alles"? Was bedeutet das? Rose gibt viele Beispiele, wie das vom Stabsgefreite Sean Baker, der als Militärpolizist in Guantanamo stationiert war. Dort nahm er im Januar 2003 während einer Übung die Rolle eines Gefangenen ein. Er bekam den Befahl, einen orangegelben Häftlingsoverall über seine Uniform zu ziehen und in einer Zelle unter ein Bett zu kriechen. Seinen Kameraden sagte man, er wäre ein echter Häftling, der bereits einen Sergeant angegriffen habe. Daraufhin würgten und verprügelten sie Baker. Er erlitt bei dieser Übung so heftige Verletzungen, dass er in ein Krankenhaus in Portsmouth (Virginia) geflogen werden musste.

Nach einem 14-tätigen Klinikaufenthalt wurde er nach Hause geschickt. Dort bekam er Krämpfe und musste zur Behandlung eines Schädelhirntraumas ins Walter - Reed Militärkrankenhaus gebracht werden, wo er weitere 48 Tage blieb.

Da er aber im April 2004 immer noch nicht dienstfähig war entlies man ihn kurzer Hand aus der US Armee.

David Rose deckt schonungslos die unmenschlichen Haftbedingungen auf. Er berichtet, wie „Hunger" systematisch als Waffe gegen die Häftlinge eingesetzt wird. Die Gefangenen erhalten nur 1.200 Kalorien täglich. Ernährungswissenschaftler sagen jedoch, das für einen normalen Erwachsenen 2.000 Kalorien täglich mindestens notwendig sind, selbst wenn man keine körperlichen Anstrengungen verübt.

Rose beschreibt in seinem Buch unter anderem:
die „Kältefolter", die Tarek Dergoul erleiden musste. Dergoul wurde an einem Ring im Fußboden angekettet und musste dann stundenlang allein in einem Raum warten, in dem die Klimaanlage auf vollen Touren lief. Es war eiskalt und unglaublich schmerzhaft.

die Isolationsfolter, bei der Gefangene bis zu 3 Monaten im Isolationsblock von Camp Delta in Einzelhaft, ohne den geringsten Kontakt zu Mitgefangenen, verwahrt werden.

die alltäglichen Demütigungen, den Schlafentzug, die Schläge und Fußtritte und so weiter und so fort . . .

All diese Grausamkeiten und noch viele mehr, werden von David Rose gewissenhaft und sensibel dargestellt. David Rose geht aber über die reine Beschreibung der Misshandlungen hinaus. Er erklärt vor allem die Hintergründe, die die amerikanische Regierung für ihr aggressives Vorgehen hat. Rose enthüllt, welche Ziele sich eigentlich hinter diesem menschenverachtenden Vorgehen verbergen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 26. Januar 2005
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