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| Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne
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"Wir haben keine Zeit, obwohl wir sie im Überfluss gewinnen" (11).
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne (Taschenbuch) Es ist ein Modewort, zugegeben. Aber es ist auch ein Begriff, der die Lebenswirklichkeit von mehr und mehr Menschen zu treffen scheint: Entschleunigung! Denn obwohl wir in einer Welt leben, die durch mannigfache technische Innovationen unser aller Leben angenehmer und entspannter gestalten sollten, haben viele den genau entgegengesetzten Eindruck. Es scheint so, als ob uns immer weniger Zeit bliebe, die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Handelt es sich hierbei lediglich um ein subjektives und nicht zu bestätigendes Gefühl, oder lassen sich in unserer Gesellschaft Strukturen entdecken, die dieses Phänomen erklären können? In seiner grundlegenden Habilitationsschrift "Beschleunigung - Die Veränderungen der Zeitstrukturen in der Moderne" beschäftigt sich der Soziologe Hartmut Rosa mit dieser Fragestellung und kommt zu Ergebnissen, die zentrale Strukturelemente unserer Gegenwart auf den Punkt bringen.
"Wir haben keine Zeit, obwohl wir sie im Überfluss gewinnen" (11) beschreibt Rosa den offensichtlich erscheinenden Widerspruch, dass uns trotz aller technischen Hilfsmittel zur Zeitersparnis, die Zeit immer schneller davon zu rennen scheint. Für Rosa stellt diese technische Beschleunigung aber nur einen, und bei weitem nicht den wichtigsten, Aspekt der Beschleunigung dar. Beschleunigung, so Rosa, stelle ein "Grundprinzip" (15) dar, welches sich auf drei Arten der Beschleunigung zurückführen lasse: "Sie haben es zum Ersten mit technischer Beschleunigung zu tun, die sich [...] abstraktlogisch betrachtet entschleunigend auf das Tempo des Lebens auswirken sollte. Tatsächlich stellt aber die Beschleunigung des Lebenstempos eine zweite, angesichts der technischen Beschleunigung paradoxe Form sozialer Akzeleration dar, die [...] möglicherweise mit einer dritten, analytisch unabhängigen Erscheinungsweise sozialer Beschleunigung zusammenhängt: mit der Beschleunigung der sozialen und kulturellen Veränderungsraten" (16).
Beschleunigung dürfe also nicht nur als ein lediglich technisches Phänomen verstanden werden, frei nach dem Motto: Da vom Auto bis zur Internetverbindung alles immer schneller wird, beschleunigt sich auch unser Leben, denn eigentlich sollte ja genau das Gegenteil der Fall sein. Rosa legt dar, dass die technische Beschleunigung nur die Voraussetzung "für die Vielfalt an sozialen Beschleunigungsprozessen [darstellt], welche jenen Veränderungen zugrunde liegen und heute vor allem unter dem Stichwort der Globalisierung diskutiert werden" (174).
Es bleibt die Frage, wodurch genau sich die soziale Beschleunigung, die unserer Moderne zugrunde liegt, auszeichnet. Rosas Definition verlangt einiges an geistiger Mühe, liefert aber ein messerscharfes Analyseschema zum Verständnis unserer Gegenwart: "Beschleunigung des sozialen Wandels lässt sich damit definieren als Steigerung der Verfallsraten von handlungsorientierenden Erfahrungen und Erwartungen und als Verkürzung der für die jeweiligen Funktions-, Wert- und Handlungssphären als Gegenwart zu bestimmenden Zeiträume" (133). Als Prozess der "Erlebnisverdichtung" (201) bezeichnet Rosa dieses Phänomen. Die Beschleunigung unseres Lebenstempos zeichnet sich demnach dadurch aus, dass die "Erlebnisepisoden pro Zeiteinheit" (ebd.) ständig zunehmen.
Dies habe nicht nur grundlegende Auswirkungen auf das Individuum, welches durch diese Entwicklung gnadenlos überfordert werde (Rosa zieht hier einen Zusammenhang zwischen Beschleunigung und zunehmenden Depressionserkrankungen, vgl. S. 43), sondern auch auf die Institutionen unserer Gesellschaft, die den Beschleunigungskräften der Moderne nicht mehr widerstehen können und somit zu "Beschleunigungshemmnissen" (157) werden, die drohen, ein Opfer dieses Prozesses zu werden.
Fazit: Den Prozess der Beschleunigung bewertet Rosa als mit das wichtigste zu bewältigende Problem für unsere Zukunft. Sein Fazit ist alles andere als optimistisch und entfaltet gerade deshalb eine besondere emotionale Überzeugungskraft: "Den Verlust der Fähigkeit, Bewegung und Beharrung zu balancieren, so steht zu vermuten, wird die moderne Gesellschaft schließlich mit der Erzeugung nuklearer oder klimatischer Katastrophen, mit sich rasend schnell ausbreitenden neuen Krankheiten oder neuen Formen des politischen Zusammenbruchs und der Eruption unkontrollierter Gewalt bezahlen, die uns besonders dort zu erwarten stehen, wo die von den Beschleunigungs- und Wachstumsprozessen ausgeschlossenen Massen sich gegen die Beschleunigungsgesellschaft zur Wehr setzen" (489).
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 30. Januar 2011 | | |
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| Siehe auch folgende Artikel: |
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