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Geschichte der Eisenbahn in AmerikaAls James Watt im Jahre 1769 die Dampfmaschine erfand, legte er
damit den Grundstein für eine Entwicklung, die sich damals noch
keiner vorstellen konnte. Stephenson erfand über 50 Jahre später, im
Jahre 1825, die erste Dampfeisenbahn. 13 Jahre danach hatte man in
Amerika schon ein 4640 Kilometer langes Schienennetz
aufgebaut.
Die Eisenbahnunternehmen waren seit Anfang an in privater Hand,
und so dauerte es eine ganze Zeit, bis man sich auf bestimmte
Standards geeinigt hatte. Erst dann konnten die Reisenden ohne
Umsteigen auf verschiedenen Linien fahren.
Als in Amerika der Bürgerkrieg ausbrach, spielte die Bahn dort
eine wichtige Rolle, sie waren das einzige und damit wichtigste
Transportmittel. So gab es eine ganze Reihe Versuche, Brücken und
Schienenstrecken des Gegners zu vernichten oder zu beschädigen.
Es entwickelten sich schnell größere Knotenpunkte der
Eisenbahnlinien, wie z.B. New York, Pittsburgh, Philadelphia und
Chicago. Hier saßen auch die Zentralen wichtiger
Eisenbahngesellschaften, die ihre Strecken immer weiter nach Westen
ausbauten. Am 1. Juli 1862 wurde dann die Union Pacific von der
Regierung damit beauftragt, nach Westen vorzustoßen und der Central
Pacific entgegen zu kommen.
Die Strecke der Union Pacific verlief durch die weiten Ebenen
der Prärie und überquerten die Rocky Mountains. Zahlreiche der
irischen Arbeiter, die eine Zukunft in Amerika suchten. Sie mußten
jedoch von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang arbeiten, und das 7
Tage in der Woche. Nicht nur unterschiedliches Terrain, sondern auch
das wechselnde Klima machte den Arbeitern zu schaffen. Viele starben
bei diesen nie enden wollenden Strapazen.
Von Westen fing die Central Pacific an zu bauen, sie
überquerten die Sierra Nevada und durchkreuzten die Wüste des
Staates Nevada. Die Central Pacific hatte ihre Arbeiter aus China,
sie waren als billige Arbeitskräfte ins Land gelockt
worden.
Beide Gesellschaften bauten möglichst schnell, da die Regierung
nach gebauten Meilen bezahlte. So sollen auch die beiden
Gleisbautrupps, die sich begegneten, aneinander vorbeigebaut haben,
ohne sich zu beachten. Die Regierung legte dann den Treffpunkt fest,
es wurde Promontory Point in Utha, nördlich vom heutigen Salt Lake
City. Am 10. Mai 1969, fast sieben Jahre nach Abschluß des
Vertrages, wurde mit einem goldenen Schienennagel die Strecke
fertiggestellt. Sofort kamen sich die Züge der beiden Gesellschaften
entgegen. Als sich ihre Kupplungen berührten, war der Jubel
grenzenlos. Der goldene Nagel wurde nach der Zeremonie sofort
entfernt und befindet sich heute im Standford University Museum in
Kalifornien.
Damit hatten auch die beschwerlichen Planwagentracks ein Ende.
Unter anderem auch deshalb blieb diese Linie nicht die einzige. Das
Reisefieber führte dazu, daß immer mehr Linien gebaut wurden,
teilweise parallel nebeneinander. Keiner der Betreiber ahnte damals,
daß sich diese Linien einmal gegenseitig in den Ruin treiben
würden.
Das Schienennetz verzweigte immer mehr, und immer mehr
Eisenbahngesellschaften kamen hinzu. Einige dieser Firmen
spezialisierten sich zum Beispiel auf den Verkehr mit den Goldminen
und Kohlebergwerken oder anderer Mineralvorkommen. So verkehrte in
den Bergen Colorados eine spezielle Bahn für Uran, die im 2.
Weltkrieg wichtig wurde.
Die Konkurrenz wurde immer größer, und damit auch der Kampf um
die Kunden. Das Streckennetz wurde soweit ausgebaut, daß im Jahre
1937 415.000 Kilometer lang war, das war fast ein Drittel aller
Eisenbahnkilometer in der Welt. Auf 100 qkm kamen damals in Amerika
4,4 km Schienen. Und das bei der Weite des Landes... Auf jeden
Einwohner kamen demnach ca. 3,3 m Bahn. In Deutschland zum Vergleich
nicht mehr als 1 m. Innerhalb von 80 Jahren hatte sich die Länge
ver-36-facht. Heute gibt es nur noch ca. 190.000 Meilen
Strecken.
Für die Landbewohner war die Eisenbahn die Verbindung zur
nächsten größeren Stadt, so transportierten nicht nur die Bauern
ihre Produkte mit der Bahn und kamen dann mit anderen Waren und
Industriegütern zurück, sondern die Bahn wurde auch Teil des
normalen Lebens. Man fuhr mit der Bahn zum Einkaufen, zum Arzt oder
auch einfach zur Tanzstunde im nächsten kleinen Städtchen. Die
Reisen wurden immer angenehmer, Georg Pullman erfand den
Schlafwagen, der zunächst nach ihm benannt wurde. Im Krieg erfand er
dann einen größeren Wagentyp, der allerdings nicht in die Bahnhöfe
paßte und deshalb nicht oft eingesetzt werden konnte. Doch als
Abraham Lincolns Leichnam in seine Heimatstadt gebracht wurde und
wenig später auch der neue Präsident Ulysses S. Grant in dem Zug
reiste, wurde Pullman zum führenden Hersteller von Schlafwagen.
Diese Wagen, die immer weiter entwickelt wurden, wurden auch auf der
Transkontinentalstrecke diese Wagen eingesetzt. Die Reisenden
konnten nicht nur immer bequemer, sondern auch immer schneller
reisen, der Konkurrenzkampf führte zu immer neuen, schnelleren
Zügen.
Walter Scott wollte damals einen neuen Geschwindigkeitsrekord
auf der Strecke von Los Angeles nach Chicago aufstellen. Für 5500$
charterte er einen eigenen Santa-Fe-Zug, den er "The Coyote Special"
taufte. Für die Eisenbahngesellschaften war das Unternehmen eine
kostenlose Werbung. Am 9. Juli 1905 verließ der Zug den Bahnhof in
Santa Fe. Auf der Strecke warteten nicht weniger als 19 Lokomotiven,
die extra bereitgestellt worden waren. Mit bis zu 160
Stundenkilometern fuhr dieser Zug durchs Land. Doch diese
Geschwindigkeit brachte auch Probleme mit sich, da die Strecke nicht
nur aus langen, geraden Teilen bestand. Doch schließlich erreichten
sie Chicago, nachdem sie 3625 Kilometer in nur 44 Stunden und 54
Minuten zurückgelegt hatten.
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